Der Parteitag der bayrischen Grünen in Augsburg hat sich fast
unbemerkt vom Rest der Welt abgespielt - nur eine interssante Forderung hat für
Wirbel gesorgt: Wenn Kopftücher nicht in die Schule gehören, dann
bitteschön Nonnengewänder auch nicht. Und das Kruzifix (wobei
ausnahmsweise nicht der Fluch gemeint ist) ist ebenfalls ein spezifisch
christliches Glaubenssymbol und darf keine Ausnahmestellung einnehmen.
Es ist zwar bedauerlich, daß diese grundgesetzlich verankerte
Gleichbehandlung der Religionen im Jahr 2008 noch gefordert werden muß
- aber noch viel bedauerlicher (wenn auch nicht überraschend) ist, was
sich im Folgenden abspielte.
Erst einmal: Die Parteispitze rudert zurück. Ja, das sind die Grünen des 21. Jahrhunderts. "Ich befürchte, das hat uns Stimmen gekostet" wird Spitzenkandidat Daxenberger zitiert. Nicht die inhaltliche Rationalität sondern die der Politik ist bestimmend. Das ist die Partei des Dr. "Strangelove" Fischer und der wandelnden Talkshow Claudia Roth. Aktuell ist in allen Zeitungen von der neuen Bedeutungslosigkeit der SPD zu lesen - die inhaltliche Bedeutungslosigkeit der Grünen seit Afghanistan ist nicht einmal mehr erwähnenswert.
Und nun nehmen wir den Mixa. (Frei nach dem Muppets-Koch)
Durch das kurze Aufflammen von Vernunft und die schnelle Relativierung des Parteitagsvotums bei den Grünen alarmiert, unterbricht Walter "Mein Gott" Mixa die Beschäftigung mit dem Exorzismus bzw verlagert ihn auf die politische Bühne: Die Grünen seien „eine Gefahr für die religiöse Toleranz und den religiösen Frieden in unserem Land“. Donnerwetter, die Grünen eine Gefahr? Dann muß es um die Katholen aber ganz schön schlecht bestellt sein. Das Zurückrudern der Parteifastspitze kommentiert Mixa mit „Teile der Grünen verletzen die religiösen Gefühle von Christen und äußern sich in provokanter Weise gegen die Kirche, um am nächsten Tag beschwichtigend zu erklären, dass alles nicht so schlimm gemeint sei.“ Ei ei ei, das klingt aber schon ein bischen infantil-schmollig. Und die ewige Trumpfkarte der Haltlosigkeit ist auch schon auf dem Tisch: Die achso verletzten religiösen Gefühle.
Ich denke keinen Moment daran, daß Walter Mixa sich einmal damit beschäftigt hat, wie es im Gefühlsleben eines rational denkenden Menschen vorgehen könnte, wenn er mit inbrünstigen Vertretern des Aberglaubens jeglicher Coleur (Wotan, Hohlerde, Jehova, Freitag der 13., "Gott", 21.12.2012, Waldfeen, Allah, Bioenergetik, Zeitalter des Pullermanns etc) konfrontiert wird. Dummheit tut weh, nur nicht den Dummen. Aber die sind in unserem sogenannten säkularen Staat besonders geschützt - was an sich nicht schlecht ist.
Schlecht ist nur, daß die Schafhirten über ihre Stellung in die Politik eingreifen können. "Liebe Schafe, wählt die Grünen nicht", das Lied gab es im letzten Jahr schon einmal und damit droht Mixa jetzt wieder.
Klar, daß Daxenberger hier Stimmen schwinden sieht. Daß es auch vernünftige Gründe gibt, sein Kruzifix woanders als bei den Grünen zu machen, sollte er nicht vergessen.
Um jetzt dem Eindruck vorzubeugen, ich sei einseitiger fanatischer Grünen-Hasser (und nicht nur tief enttäuscht): Die CSU setzt dem Unfug natürlich noch die Dornenkrone auf. Zitat aus der Süddeutschen Zeitung zum Fallrückzieher der Grünen:
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer bewerteten vor allem die Gleichsetzung von Kreuz und Kopftuch als skandalös. Das Kopftuch sei ein Symbol der Unterdrückung.
An dieser Stelle darf herzhaft gelacht werden. Das Kreuz ist Symbol für Jubel, Trubel, Heiterkeit? Ok, für sechs richtige Kreuze im Lotto mag das zutreffen, das gute alte Kruzifix dagegen stammt aus der Tradition von Folter mit Todesfolge, deutlich rustikaler als Waterboarding und Schlafentzug. Und als Symbol ist das Kreuz auch nicht ganz unbefleckt - das Abschneiden von Köpfen hat nicht Herr az-Zarqawi erfunden.